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Warum Olivenöl Testergebnisse relativ sind

Warum Olivenöl Testergebnisse relativ sind

Sie möchten ein Olivenöl kaufen und wissen nicht, worauf Sie achten müssen? Sie fragen sich, wie Sie ein Olivenöl ohne Schadstoffe finden, was den Geschmack von Olivenöl auszeichnet und wann ein Olivenöl ein gutes Olivenöl ist? Wir verraten Ihnen, warum Sie zur Beantwortung dieser Fragen nicht unbedingt nur den Testergebnissen von Ökotest oder Stiftung Warentest Vertrauen schenken sollten.

Jedes Jahr im Januar testet die Stiftung Warentest Olivenöle aus Supermärkten und Discountern auf ihre Qualität. Die getesteten Olivenöle kosten meist um die 20 € pro Liter. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass jede teure Flasche Olivenöl auch gut ist. Vor einiger Zeit berichteten wir bereits, wie Stiftung Warentest Olivenöle testet. Nun nehmen wir diese Testmethoden und Hintergründe noch einmal genauer unter die Lupe. Zudem ziehen wir einen Vergleich zwischen Stiftung Warentest und Ökotest.

Stiftung Warentest vs. Ökotest

Während die Arbeit der Stiftung Warentest mit Steuermitteln unterstützt wird, gehört Öko-Test zu etwa zwei Dritteln der Medienholding der SPD. Auf dem Markt bedienen sie als Konkurrenten unterschiedliche Zielgruppen. Stiftung Warentest prüft bevorzugt technische Merkmale, wie Geschmack, Qualität und Preis – vor allem wie gut ein Produkt auch seinen Zweck erfüllt. Ökotest widmet sich stattdessen der Bewertung jener Inhaltsstoffe, die es als kritisch ansieht.

Qualitätsniveau vs. gesetzliche Mindestanforderungen

Ob sich ein Olivenöl „nativ extra“ (auf Italienisch „extra vergine“) nennen darf, ist eine Frage der Qualität: Das Öl muss einwandfrei riechen, schmecken und schonend ohne Wärmezufuhr gepresst worden sein. Außerdem muss die chemische Qualität stimmen. Bei geringen Abweichungen darf das Öl nur noch die Bezeichnung „natives Olivenöl“ tragen.

Stiftung Warentest urteilt regelmäßig in ihren Tests, dass die getesteten Olivenöle „durchschnittliche Massenware“ sind. Daraus darf man schließen, dass sich die Stiftung nicht an gesetzlichen Mindestanforderungen, sondern am Qualitätsniveau orientiert. Das ist im Lebensmittelhandel üblich.

Was ist natives Olivenöl extra?

Im Falle eines Extra Vergine Olivenöls lautet eine Vorgabe nach EU-Verordnung, dass Öle dieser Qualitätskategorie keinerlei sensorische Fehlaromen aufweisen dürfen. Da Oliven und besonders Olivenbrei überaus reaktiv sind, bilden sich aufgrund endogener Enzyme und Zucker rasch unerwünschte Fehlaromen. Deshalb sind echte Extra Vergine Olivenöle im Sinne der gesetzlichen Definition einzigartige Meisterstücke. Selbst für sorgfältige, fortschrittliche Ölmühlen ist die Vermeidung von unerwünschten Prozessen jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung.

Qualität hat ihren Preis – jedoch nicht bei den Testinstituten

Guter Rat ist teuer, gute Qualität in der Regel auch. Doch ungeachtet dessen verkünden die Warentester beispielsweise im Test von 2018 ihr Credo: „Unser Rat: Natives Olivenöl extra muss nicht teuer sein“. Danach folgt die widersprüchliche Relativierung, dass Spitzenqualität und wirklich hochwertiges Olivenöl nicht für kleines Geld zu erwarten sei, und die wenig überraschende Verkündung der drei Testsieger und Gewinneröle von Aldi, Lidl und Netto. Stiftung Warentest macht Olivenöl regelmäßig mit allen möglichen Argumenten schlecht, sorgt aber zeitgleich dafür, dass Aldi und Lidl bei den Tests stets als Testsieger hervorgehen.

Unsaubere Testmethoden

Hinzu kommt, dass die derzeitigen Testmethoden für Schadstoffbelastungen in Olivenölen, wie bspw. POSH (gesättigte Kohlenwasserstoffe) und MOAH (aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe) Werte, unzuverlässig sind. Zudem haben sie keinen Bezug zu einem verbindlichen, international anerkannten Schwellenwert. Unterschiedliche MOSH/MOAH Tests der gleichen Prüfskala zeigen Ergebnisse mit großen Abweichungen und liefern daher keine wissenschaftlich zuverlässigen Ergebnisse. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass sogar die von verschiedenen Labors mit gleicher Testmethode durchgeführten Tests zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führen können.

Solange keine globalen Normen festgelegt sind, wird es weiterhin Unklarheiten über die Zuverlässigkeit der verschiedenen Testmethoden geben, zum Nachteil des Verbrauchers.

Kritik an Testinstituten

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung von 2014 wird aufgeklärt, dass Projektleiter der Stiftung selbst gerne behaupten die Aufgabe der Stiftung Warentest „liege in der »Entzauberung von Produkten«. Das Credo des Unternehmens ist also strikt aufklärerisch – für die Herausbildung des mündigen, vernünftigen Verbrauchers, gegen das Blendwerk des Markenglamours.“

Eine Behörde, die sich immer noch als Zentralinstanz der Produktanalyse präsentiert, erscheint zudem inzwischen als unzeitgemäß, auch wenn die bis zu vier Wochen dauernden Tests in ihrer höchsten wissenschaftlichen Sorgfalt nichts mit den bloßen Erfahrungsberichten der Online-Netzwerke zu tun haben.

So melden sich in der Onlineausgabe des Stiftung Warentest Olivenöl-Tests in den bis dato 343 Kommentaren zahlreiche Nutzer zur Glaubwürdigkeit, Testmethoden, Häufigkeit dieser Tests sowie zur Objektivität, insbesondere bei Olivenöl-Tests zu Wort. Hinterfragt wird auch die Häufigkeit der Olivenöl-Tests (siehe Screenshots).

Olivenöl Stiftung Wartentest Stiftung Warentest Olivenöl Kritik

Auch zu einem aktuellen Bericht bei Spiegel Online wird in den Kommentaren Kritik gegen die Bewertungen von Stiftung Warentest laut.

Bewertung Stiftung Warentest

Wie aussagekräftig sind die Tests?

Sowohl die Redaktion von Stiftung Warentest als auch die Redaktion von Ökotest gewichten bei ihren Tests gleiche Parameter, wie Geschmack, Sensorik, Harmonie von Mal zu Mal unterschiedlich. Es ist dabei nicht erkennbar, worin diese Variation begründet ist. Dies hat aber Auswirkungen auf das Testurteil. Dadurch entsteht ein Spielraum, der es erlaubt, Produkte gezielt mit einer besseren oder schlechteren Gesamtnote zu versehen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt ausdrücklich davor, die Testurteile als eine „pauschale Aussage über die Qualität und Produktsicherheit zu werten“. Dies bedeutet: Das Testurteil in Form einer Note besagt herzlich wenig, ob es sich um gutes Öl oder schlechtes Öl handelt.

Fazit: Nicht jeder Test ist solider als die Produkte, die darin geprüft wurden.

Am besten Sie testen selbst oder lassen testen!

Olivenöl-Test: Wie kann ich Olivenöl selbst testen?

Bei all den Verwirrungen um die unterschiedlichen Testmethoden der beiden größten bekannten Testinstitute in Deutschland stellt sich die Frage: Wo und wie kann Olivenöl selbst getestet werden? Es gibt einige Labore, bei denen Sie Ihr Olivenöl testen lassen können. Sie erfahren bei diesen Olivenöl-Tests den Säuregehalt Ihres favorisierten Olivenöles oder ob das Olivenöl schadstoffbelastet ist. Der Preis für einen solchen Olivenöl-Test beträgt in der Regel zwischen 25 und 50 Euro. Dafür gehen Sie auf Nummer sicher und haben ab sofort ein qualitativ hochwertiges Olivenöl, dass Sie ab dann für immer ordern können. Ein Testinstitut für Olivenöl ist z. B. Fresenius.

1. Mai 2019|Tests|

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